GENGA

DIE TRADITIONEN

Kam ein Erstgeborener zur Welt, war es in den Marken Tradition, einen Baum zu pflanzen: Der Brauch des Lebensbaumes hat in großen Teilen Europas Tradition. Besonderer Brauch in einigen Gebieten um Fabriano (Rucce, Viacce, Perticano), im Gebiet von Genga und Sassoferratese (Coldellanoce), Arceviese, bis hin zum Gebiet von Pergola ist es, bei dieser Gelegenheit den Mai aufzustecken. Die Freunde der Brautleute treffen sich an einem Nachmittag auf der Suche nach einem Baum, einer Pappel, die so hoch wie möglich sein soll. Wurde der Baum einmal zwischen „hell und dunkel“ ausgemacht, wird er gefällt, ohne den Eigentümer um Erlaubnis zu fragen, weil es als ungehörig und verhängnisvoll angesehen wird, wenn die Fällung verweigert wird und dann vor das Haus der frisch gebackenen Eltern geschleppt. Der Baum wird bis zur Spitze entrindet. Auf der Spitze wird die Nationalflagge (Stolz), ein Lorbeerkranz (Kommando und Ruhm), eine Flinte (Mut und Treue), eine Flasche Wein oder Schaumwein (Männlichkeit des Neugeborenen) angebracht.

Dann wird ein Loch vorbereitet, in dem der Baum verankert und aufgerichtet wird. Die Eltern bieten allen Anwesenden einen Imbiss, Süßigkeiten und Wein an. Die Älteren, oft aber auch die jungen Leute, versuchen sich beim Klang einer Ziehharmonika oder eines Akkordeons als Sänger und singen Stornelli zu Ehren des Kindes. Die Beschreibung bezieht sich auf einen kürzlich in Colcello di Genga angesteckten Mai. Zur Geburt eines Mädchens wird hingegen eine kleine „Conocchia“ eingesetzt, eine kleine Pflanze mit der Form eines Rockens. Im Gebiet von Sassoferratese wird bei der Geburt eines Mädchens die „Salce Buga, das heißt ein innen hohler Maulbeerbaum gepflanzt - praktisch nur die Rinde. Das Fest, das die Eltern dann mit ihren Freunden veranstalten, dauert mit Gesang und Tanz bis spät in die Nacht hinein.

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